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Reisebericht Gujarat | Jambughoda |
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Gujarat, Jambughoda - Was für ein Indien!
Gujarat, Jambughoda
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Reisetyp: Individualreise
Reisebericht aus dem Jahr: 2003
Altersgruppe des Autors: 45-60 Jahre
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Der Aufenthalt in Jambughoda gehört zu den interessantesten einer Gujaratreise, obwohl auf kaum
einer Karte verzeichnet und touristisch völlig jungfräulich.
Ein persönlicher Bezug für uns und alle anderen Freunde Chandrashekhars aus Jodhpur: Hier lernen wir
die Familie der liebenswerten Großmutter Lady Ba kennen. Ihr ältester Bruder war der verstorbene
Maharana Digvijai Sinh. Das Erbe der Ländereien hat inzwischen der Sohn Maharana Vikram Sinh und seine
Frau Gyaneshwari Devi übernommen sehr feine Menschen von überragender Gastfreundschaft.
(Sohn Bhanwar Karmavead Sinh (24), Tochter Chandramoheni (20)).
Vikram hat ein Liqueur-Permit man nennt es hier "Health Permit" und damit im "Dry State Gujarat"
die Genehmigung zum persönlichen Alkoholkonsum. Es gilt im übrigen für alle Stationen der Reise:
Ob mit oder ohne Alkoholprivileg keiner unserer Gäste muß hier "darben" im Gegenteil,
kaum sieht man einen Europäer, muß gleich Bier oder Härteres aufgefahren werden. Die Verwunderung
darüber, daß ich keinen Alkohol mag, stimmt nachdenklich. Was für Saufbolde sind wir in den Augen
der Inder?
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Der Raub der Sabinerinnen
ich habe ihn digital in die Neuzeit verlegt und die schönsten Bajania-Frauen ins Internet verschleppt
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Pithora-Malereien zieren die Innenwände der Rathwa-Hütten
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Lohnenswerte Ausflüge
Gandhara (ein Dorf der Rathwa Adivasi)
äußerlich unscheinbare Hütten betrittst Du und entdeckst die schönen Pithora-Malereien
(Erdfarben mit Ziegenmilch) mit denen die Adivasi ihre Welt darstellen.
Die Alten des Rathwa-Familienverbunds ziehen irgendwann in einen Seitentrakt des Stalls und überlassen
der jüngeren Generation das Haus.
Bogen mit nadelspitzen Pfeilen gehören zum Rüstzeug der Männer ebenso wie voluminöse
Wasserpfeifen, die den Pfeifen der Eingeborenen vom blauen Nil verblüffend ähneln.
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Seewanderung mit Hindernissen
Am Abend fahren wir zu einem kleinen Stausee, der in den inzwischen verstaatlichten Ländereien der
Familie liegt und jetzt Teil eines Naturschutzgebiets ist. Viele Wasservögel sollen hier zu sehen sein
wir waren spät dran und sehen nur ein paar Enten und den schwarzweißen "Did-ya-do-it".
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Marion und ich wollen den See in einem kleinen Spaziergang umrunden "No problem!", meint Vikram.
Während er mit Chandra und Kishore auf der Aussichtsterrasse bleibt, wandern wir los.
Was wir nicht wußten und Vikram wohl auch nicht: Als wir den See halb umrundet haben, stehen wir an
der Mündung eines Bachs, der mit ziemlicher Strömung den See speist. Zu breit, um hinüberzuspringen
zu tief, um hindurchzuwaten.
Also liefen wir bachaufwärts, um einen Steg oder zumindest eine Furt zu finden. Für die indischen
Freunde waren wir schnell außer Sicht, zumal die Dämmerung zügig fortschritt. Auch wir mußten
uns sputen. Schuhe und Strümpfe ausziehen und durch das Gewässer waten oder umkehren.
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Gujarat: Jambughoda
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Ich für mein Teil mag Rundwanderungen den gleichen Weg zurück laufe ich ungern selbst in unbekanntem
Gelände nehme ich oft in Kauf, mich zu verlaufen. Also entschieden wir uns für die überquerung des
kleinen Flusses und krempelten die Hosenbeine hoch. Drüben mußten wir erst einmal abwarten, bis die
Füße trocken waren mit schlammigem Geläuf will ja niemand wieder in die Socken.
Kurzum, es war finster, als wir die zweite Hälfte der Seeuferwanderung angingen derweil machten sich
unsere Inder schon Sorgen. Sie beratschlagten die Zusammenstellung einer Rettungsexpedition, während wir
durch die Dunkelheit am Ufer entlang stolperten. Dicht über unseren Häuptern rauschten metergroße
fliegende Hunde und ihre dunklen Schatten wirkten gegen den bleichen Nachhimmel doppelt groß.
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Pavagadh (Champaner) mit Fort und
einer schönen Moschee Jama Masjid
(Für Nichtinder 5 $ Eintritt!)
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Die Riesenfledermäuse fliegen von ihren Schlafbäumen nach Einbruch der Dunkelheit zunächst dicht
über den See, um im Fluge zu trinken, bevor sie sich auf Futtersuche machen. Daß diese Früchtefresser
uns nichts antun, ändert nichts am gespenstischen Eindruck, wenn so ein Riesending nur einen Meter über
Deinem Kopf vorbeirauscht.
Vikram hat uns von allerlei wildem Getier erzählt. So stolpern wir in ständiger Erwartung hungriger Leoparden,
Wölfe und Wasnichtalles durch die Finsternis, und immer wenn die Lichter der Aussichtsterrasse ganz nahe scheinen,
zwingt uns einer der unzähligen Seitenarme des Sees zu erneuten Umwegen.
Als ich dann endlich schweißgebadet den Abhang zur Terrasse hochgeklettert bin, schaue ich auf die Uhr
bloß anderthalb Stunden sind wir unterwegs gewesen! Mir schien die Wanderung Stunden gedauert zu haben.
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Mit allgemeinem Aufatmen, daß wir unversehrt wieder da sind, wird der Allrad vorgefahren und es geht heim zum
Palast. Dort flackert bereits ein großes Lagerfeuer zwischen den uralten Bäumen, wo allabendlich zum Aperitif
und anschließendem Open-Air-Dinner unterm gewaltigen Sternenhimmel gebeten wird. Das ist romantische Tradition
seit Generationen auf Schloß Jambughoda, und beim Gespräch mit der Familie erfährt man eine Menge
über Land, Leute und die gute alte Zeit.
Bunte Märkte, Forts und Moscheen
Wir fahren zum Sonntagsmarkt in Goghamba. Doch dieser Name ist nur Platzhalter für viele gleich schöne
Dörfer in der Umgebung. Hier ist an jedem Wochentag irgendwo in der Nähe der Wochenbasar. Am Freitag soll
es einen großen Basar mit Antik- und Flohmarkt in der Distriktshauptstadt Vadodara (Baroda) geben.
Wochenbasare um Jambughoda
So Ghoghamba / Mo Kanwat / Mi Jambughoda
Do Gadhbhikhabura / Fr - Baroda (mit Antik) / Sa - Chotaudepur
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Wochenmarkt in Ghoghamba, Gujarat
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"Die haben ganz schön was am Hals"
kiloweise Silber tragen die Rathwa-Frauen
auf dem Goghamba Basar
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Fahrt nach Sankheda (40 km)
Schöne Altstadt mit herrlich verzierten Häuserfronten. Hier sind die Werkstätten der Kharabi. Wir
können die Kharabi-Meister bei der Herstellung der bemalten Möbel beobachten, denn alle Werkstätten
sind zur Gasse hin offen. Diese Art Möbel sind für Indien einzigartig und werden nur hier hergestellt.
Sie mögen nicht immer unseren europäischen Geschmack treffen aber wir haben noch nie Holzbearbeitung
und Bemalung in einer solchen Geschwindigkeit und Präzision gesehen.
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Holzwerkstätten der Kharabi, Sankheda
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Am Weg liegt die Don Bosco Adivasischule Vikram kennt den Leiter und möchte Hallo sagen. So bekommen
wir Gelegenheit, einen Tee zu trinken, und ich habe nett mit Khuman (einem Rathwa-Adivasi) geplaudert. Er war
zunächst fassungslos, wie wenig ich über den Patron der Schule, Don Bosco, wußte.
Er erzählt bereitwillig von diesem Projekt, das die Ureinwohner an die Neuzeit heranführen soll.
Stolz zeigt er aber auch auf die Großfotos an den Wänden, die seine Stammesmitglieder in Originaltracht
tanzend bei ihren Festen zeigen. "Wir lernen alles, was Ihr auch lernt ohne unsere Identität und
Tradition aufzugeben."
Ob wir unseren Gästen denn auch einmal solch ein Spektakel zeigen können, frage ich Vikram. Das sei
kein großes Problem, meint er. Die Rathwa feiern viele Feste.
Tribal Basar Montags in Kanwat sehr schön. Heute ist hier zusätzlich ein Fest, bei dem die Jungen
der Adivasi die Mädels jagen und fangen dürfen um sich bei Erfolg mit ihnen in die Büsche zu schlagen.
Die Mädel sind mit ihrem üppigen Silberschmuck zu den schönsten Tribals zu zählen.
Am Ortsausgang lassen wir uns zum Lunch nieder, den Vikram vorsorglich eingepackt hat. Im Schatten eines
Bodhi-Baumes fehlen eigentlich nur noch die Stühle. Kaum habe ich das scherzhaft erwähnt, kommt Vikrams
Boy auch schon mit Plastikstühlen herbei ausgeliehen im nahen Haus eines Dorflehrers. Es sind die Kleinigkeiten,
die uns gefallen. Hier eine kleine, unerwartete Geste, dann wieder stellst Du fest, wie genau die Gastgeber sich
Deine kleinen Vorlieben merken.
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Eine Nacht in der Stadtwohnung
In der Distriktshauptstadt Vadodara hat Vikram kürzlich eine Wohnung gekauft. Auf unserem Rückweg
von Valsad übernachten wir hier nach einem prächtigen Dinner, bevor wir auf die Halbinsel Saurashtra fahren.
Sehr komfortable Eigentumswohnung, die Vikram geschmackvoll mit alten Jugendstilmöbeln aus Familienbesitz
(sehr schön!) und maßgefertigten Einbauschränken aus Hölzern der eigenen Wälder eingerichtet
hat.
Vikram wohnt hier nur, wenn er in der Stadt zu tun hat seine Tante (eine der Schwestern von Ba, Chandras Mutter
aus Jodhpur) lebt in dieser Wohnung, und auch Vikrams lediger Sohn Karmavead, der im örtlichen Büro von
Jet-Airways arbeitet.
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Die kleine Ramila ihr Schicksal macht nachdenklich.
Fernab von Indien sind selbsternannte Menschenrechtler schnell mit Allgemeinplätzen wie "Kinderarbeit"
bei der Hand, wenn sie in einem Fürstenhaushalt eine Achtjährige Adivasi Staub wischen sehen
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Bernd Symons
Bernd Symons, Betriebswirt aus dem Rheinland, machte nach seiner Heirat mit
einer Inderin aus Kerala Mitte der 80er Jahre sein Hobby zum Nebenberuf.
Nach seiner "Kerala-Discovery"-Philosophie erlebt der Urlauber eine
erlebnisaktive Begegnung mit dem faszinierenden Süden und Norden Indiens. Unser Teilnehmerlimit
verhindert den Ausbau einer touristischen Infrastruktur in den besuchten Dörfern. Du findest
also wie unsere bisherigen Gäste "Dein" ganz privates Indien noch ursprünglich vor.
weitere Reise-Informationen hierzu:
http://www.kerala-discovery.de/
Kontakt: Kerala-Discovery@t-online.de
© Copyright für Artikel und Bilder liegen beim Autor
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Vier Frauen und Mädel aus den Rathwa-Communities Jambughodas stellen hier das Personal und schlafen auf
dem großen Balkon. Die kleinste ist gerade mal acht Jahre und hat mir am besten gefallen.
Die bedächtigen, routinierten Bewegungen wollten so gar nicht zu dem zierlichen, kleinen Mädel passen.
Sie erschien mir gerade 5 oder 6 Jahre alt, und ich war überrascht, als Vikram mir sagte, sie sei schon acht.
Er erzählte mir auch ihre Geschichte.
Die kleine Adivasi Ramila hat schon sehr früh ihre Mutter verloren, und der Vater ist hoffnungslos
dem Alkohol verfallen.
Nachdem sich die Kleine eine Zeitlang um ihren Bruder gekümmert hatte, haben Vikram und Gyaneshwari sie zu
sich genommen und sie in die Schule geschickt dort aber war Ramila nur eine Außenseiterin. Sie lief weg und
blieb lieber im Haus, wo sie erstaunlich geschickt alles sauber hält.
Bernd Symons
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