|
Ria und Christian fotografieren, ich filme. Da stellt Christian beim Filmwechseln fest, daß
sein Film bisher nicht transportiert wurde.
Das in Alabama noch bekannte HWY- Zeichen wird durch ein grünweißes LA Zeichen abgelöst,
das verwirrt leicht.
Wir kommen an den Mississippi und nehmen für 1 $ die Fähre.
Auf der Fähre, auf der wir noch mit 5 anderen Autos sind, ist es toll. Sie zieht so schnell
über diesen Strom, daß man meint, das könne nicht mit rechten Dingen zugehen. Der
Fahrtwind läßt nicht nur die schöne Louisiana-Flagge flattern, sondern auch alles an uns,
was nur etwas lose hängt. Ein riesiges Schubschiff schiebt seinen Weg.
Wieder an Land verfahren wir uns und kommen über St. Martinsville nach Opelousas.
In St. Martinsville sehen wir oft Schilder mit dem Hinweis: Hurricane Evacuation Road und
einer bestimmten Radiofrequenz. Wir sind im Cajun-Country, in Arcadiana
S t. Martinsville
Galt im 18. Jahrhdrt. Als zentraler "Fluchtpunkt" für die von den Engländern
vertriebenen Arcadianern Berühmt aber machten die Stadt erst die Verse des Gedichtes "Evabgeline"
(Denkmal) von Henry Wadsworth Longefellow /1802 – 1882), welche die wahre Liebsgeschichte
von Emmeline Labiche alias Evangeline und Louis Arceneaux alias Gabriel sowie deren
Vertreibung aus der kanadischen Heimat erzählen.
Hier in Arcadiana, das Land der Sümpfe und Bayous, herrschen die Cajuns, ursprünglich
französische Hugenotten, die Mitte des 18. Jh. aus Glaubensgründen aus ihrem
Siedlungsgebiet in Nova Scotia (Canada) vertrieben worden waren und sich an den Bayous
Louisianas niederließen. Ihr Leben war hart, sie schufteten als Fischer, Jäger,
Schiffsarbeiter oder Kleinfarmer und schufen sich zugleich eine eigene kulturelle Enklave,
und sie pflegten ihre antiquierte französische Sprache weiter- erst 1974 wurde das
Französischverbot in der Verfassung von Louisiana aufgehoben - und ihre eigenständige
Kochkünste und die eigene Musik. Das Hauptinstrument der Cajunmusik ist die Handharmonika.
Typische Speisen sind hier: der Gemüse-, Fisch- und Huhn - Eintopf : Gumbo und Jambalya,
eine Art Paella.
Samstag ist der wahre Sonntag des Cajuns, dann versammeln dich die großen Familien zum BBQ
(Barbecue) und zum Tanz.
Zwischen Opelousas und Lafayette fahren wir über meilenlange Brücken, die über die
Sümpfe führen wie Pfahlbrücken. Wir fahren durch riesige Swamps des RED - River. Überall
Bayous.
Die Freundlichkeit der Leute hier ist verblüffend. Sie grüßen aus allen Ecken, sogar aus
dem vorbeifahrenden Auto heraus.
Vor Lafayette übernachten wir in einem von Christian herausgefundenen preiswerten Rodeway
Inn für 35 $. Nach dem Einkaufen bei Albertson essen wir im Motel und schauen Arcadiana TV,
einem Touristiksender zu. Er sendet Informationen über das Cajunland mit Werbung gemischt.
Heute ein Thema über den Genuß des Cajunessens.
Lafayette – Plantation Country
Dienstag, 7. April 1998
Vom Motel fahren wir nach Lafayette, der heimlichen Hauptstadt der Cajun. Christian führt
an Hand der Karte. Im Parkhaus parken wir für 1.50 DM ca. 2 ½ Stunden. Auf geht´s!
An dem einzig öffentlich ausgehängten Stadtplan stehen wir um uns zu orientieren. Da
grüßt uns ein älterer Herr laut und deutlich mit "Bon jour!". Wir sind verdutzt
und freuen uns. Die Menschen hier grüßen uns immer freundlich zu ob als Fußgänger,
Autofahrer, Angestellter oder Arbeiter. Wir wandern los und gelangen zur St. Johns Bapt.
Cathedral. Diese Kirche erinnert mich an die Art der Myhler Pfarrkirche, wie sie am
Niederrhein oder in Holland zu finden sind. Ria und ich entscheiden uns in das kleine Museum
zu gehen. Eine freundliche Dame weist uns auf eine Führung hin, die gerade stattfindet und
daß wir uns noch anschließen können. Ein einziger Raum der liebevoll ausgestattet ist mit
Erinnerungsstücken der bisherigen Bischöfe.
Der Dame, die die Führung macht, zuzuhören ist ein Genuß. Sprachlich geschliffen erzählt
sie frei zu allen Ausstellungstücken und kann sehr oft eine persönliche Verbindung
herstellen. Sie erzählt von der Gründung durch Franzosen aus dem Elsaß und Holländer aus
Tilburg. Sie zeigt uns Bischofsgewänder. Jetzt lebt der 4. Bischof in Lafayette. Zu sehen
gab es auch z. B. eine Geige und einen Geigenkasten, die ein Bürger dieser Stadt 1866
gebaut hat. Er hat in bezaubernder Intarsienarbeit den Vatikan dargestellt und zwar gesehen
von einer Anhöhe aus. Den Geigenkasten hatte er ähnlich liebevoll verziert. Nebenbei : der
Geigenbauer ist nie in Rom gewesen. Die Vorlage war wohl ein Foto.
Ein Bischof war gerade im Vatikan zu Besuch als Mussolini und der Papst die Lateranverträge
unterzeichneten. Auf den persönlichen Fotos war alles abgelichtet. Interessant sind auch
die Namensänderungen "the six schneiders" zu Schexanayder oder Eisenberg zu
Isenberg.
|