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Nashville
Hauptstadt von Tennessee, am Cumberland River. Ca. 490.000 Einwohner. Auch Hauptstadt der
Country-Music. In Wahrheit ist die Musikbranche nur der viertgrößte örtliche
Wirtschaftszweig. Nach Versicherungs-, Banken- und Verlagswesen. Zudem ist Nashville als religiöses Zentrum
bekannt. Mit über 700 Kirchen und
zahlreichen Niederlassungen protestantischer Sekten erwarb sich die Stadt zwei weiterer
Spitznamen : "Buckle of the Bible Belt" oder Protestant Vatican". Drei unterschiedliche Viertel prägen diese
Stadt. DOWNTOWN mit dem Businiess district
und seinen Verwaltungsgebäuden, OPRYLAND mit seinem Vergnügungspark und die MUSIC ROW AREA,
wo sich alles rund um die country – music dreht.
Von Nashville nach Tupelo
4. April 1998
Es ist stark bewölkt. Gegen 10.00 Uhr beginnen wir unseren Rundgang in Nashville. Es ist
kalt.Parking 4$ all day. Wir parken auf einen der zahlreich vorhandenen Parkplätze. Jeder
Platz hat einen Schlitz in einem Briefkasten und da steckt man das Geld rein. Rundgang mit
dickem Pullover im Eiltempo. Ria zeigt uns einen Gingobaum. Neubauten mit gepflegtem Entree,
neben bröckelnden Altbauten, die man entweder noch versucht hat zu restaurieren oder die
ganz dem Verfall preisgegeben sind. An einem Parkplatz ein 8 - stöckiges Hochhaus mit
rausgerissenen Fenstern erinnert an Nachkriegshäuser in Deutschland. Durch die City führt
eine grüne walk-line von einer Sehenswürdigkeit zur anderen. Die berühmten
Besichtigungspunkte sind mit Tafeln versehen. Dann und wann ein prächtiger Platz.
Herausragendes Gebäude ist Bell- South-Company. Hier und da "rasen" schon Trolleys
durch die Stadt.
Es ist kalt. Wir wollen in wärmere Gefilde. Nach gut einer Stunde sind wir wieder am Auto.
Good bye Nashville! Nach Memphis wollen wir nicht. Dort wurden bereits Tornados gemeldet und
weitere angekündigt. Wir beschließen, auf dem Natchez Trace Parkway in den Süden zu
fahren.
Wir fahren auf dem I 40 ein Stück und biegen dann ab auf den Pwy. Keine Eintrittskosten.
Die rund 700 km lange Panoramastraße führt von Nashville bis Natchez. Ursprünglich war
hier ein alter Indianerpfad, der führte in sanften Windungen vorbei an Mangrovensümpfen
und Wäldern, kristallklaren Seen und geheimnisvollen, moosbehangenen alten Bäumen. Die
Straße, die nicht von gewerblichen Fahrzeugen befahren werden darf, führt uns die Natur im
Sonntagsstaat vor. Sehr gute Straßendecke, saubere Banketts. Parkähnlich reihen sich
rechts und links sanft an- oder absteigende Wiesen mit alten Bäumen, deren Arten wir nicht
alle kennen. Es blüht der REDBUD (Seidelbast). Das zarte Lindgrün der sprießenden
Laubwälder kontrastiert zu den Nadelgehölzen, Thuja, Kiefer, dazu dann das pinkfarbene
Blütenmeer des Redbud. Trotz des noch verhangenen Himmels ist dies eine Augenweide. An der
"stateline" zwischen Tennessee und Alabama. Ändert sich auch die Vegetation. Hier
ist schon alles ein wenig weiter gesprießt. Die Blüten des Seidelbasts sind nicht mehr so
leuchtend. Die Grüntöne sind hier nicht mehr so zart gestreut, sondern durch die
intensivere Blattfülle wirken sie schon dicker geknüpft. Hinzu kommt noch, daß das Grün
des Rasens durch gelbe und weiße und lila Farbstoffe aufgelockert wird.
Neuer blühender Busch: DOGWOOD
An der Staatsgrenze (stateline)Alabama – Mississippi werden die Redbudbäume seltener,
dafür bildet das Blütenmeer der DOGWOODS einen neuen Augenschmaus. Wie uns später eine
Dame erklärt, werden die Blüten des Dogwoods mit dem Kreuz Jesu verglichen. An den
Blütenblättern sind runde rostbraune Farbeinschnitte zu sehen, die mit den Nägeln des
Kreuzes verglichen werden. Die Blüten sind strahlendweiß mit einer gelbgrünen Mitte. Die
vier Blütenblätter weisen außen in der etwas gewellten Mitte den braunen Flecken auf. Die
Legende, hier ist sie in Englisch:
There is a legend, that at the time of the crucifixion the dogwood hat been the size of the
oak and other forest trees. So firm and strong was the tree that it was chosen as the timber
for the cross. To be used thus for such a cruel purpose greatly distressed the tree and
Jesus, nailed upon it, sensed this, and in His gentle pity for all sorrow and suffering said
to it: "Because of your regret and pity for My suffering, never again shall the dogwood
tree grow large enough to be used as a cross. Henceforth it shall be slender and bent and
twisted and its blossoms shall be in form of a cross... two long and two short petals. And
in the center of the outer edge of each petal there will be nail prints, brown with rust and
stained with red, and in the center of the flower will be a crown of thorns, and all those
who see it will remember."
Weitere Impressionen sind : gelbe Veilchen und roter Klee, der hier rostrot ist.
Rechts und links sind jetzt immer häufiger die swamps. Das sind riesige Moorgebiete, das
heißt Gebiete mit riesigen unvorstellbar großen Wasserflächen. Man fährt kilometerlang
an in Wasser stehenden Bäumen vorüber, die von endlosen Schlingpflanzen überwuchert sind.
Ein ideales Wohngebiet für den Biber. Überall auch Schautafeln über die dortige Fauna. Im
Natchez Trace Pwy – Prospekt sind einige Verhaltensregeln zu lesen:
"Poison ivy grows throughout, avoid contact with this leaves, roots, and vines. Heed the
adage: Leaflets three, let it be."
Auf 700 Kilometer Länge ein riesiger Park. Wiesen, Weiden und Felder ziehen an uns
vorüber. Ab und zu lichtet sich der Wald und man sieht Farmgebäude. Wir treffen Reiter und
Biker.
Auch finden wir immer wieder kleine kuschelige Rastplätze mit Tischen und Bänken, alle
sehr gepflegt und einladend.
Im Tupelo Visitor Center schenkt eine Dame Ria eine Baumwollblüte, in der man den Samen
noch ertasten kann. Hier ist in liebevoller Weise die Vergangenheit versucht worden, zu
erhalten. Landwirtschaftliche Geräte aus vergangener Zeit sind aufgebaut. Auf Bildern sind
landwirtschaftliche Arbeiten festgehalten. Alles sehr liebevoll.
Die Damen und Herren arbeiten in diesen Pwy - Centern alle ehrenamtlich. Sie werden dann ab
und an öffentlich geehrt, ja, manchmal ruft der Präsident sie an, um sich für diese
Arbeit zu bedanken.
Rund 300 km sind wir gefahren. Wir steuern Super 8 in Tupelo an. 50 $.
Hier lockt uns eine große Mall. Wir decken uns mit Lebensmitteln ein und essen zu Abend und
fallen todmüde ins Bett.
Natchez: Mark Twains Welt
Sonntag, 5. April 1998
Es wird immer wärmer. Die Sonne scheint. Heute beginnt in den USA die Sommerzeit. Die
Uhren müssen wieder umgestellt werden. Nach dem CONTINENTAL BREAKFAST fahren wir zuerst
zurück zur Mall und stürmen den zum Glück schon geöffneten BOOKS A MILLION – Shop.
Dort wird ein Gottesdienst über Lautsprecher übertragen. Ein paar Kunden sind schon da,
andere trinken im integrierten Coffeeshop ihren Coffee. Ein Angestellter spricht ein paar
Worte Deutsch. Er hat es auf der HIGH-School gelernt. Buchläden sind unser Verhängnis. Wir
schlagen wieder zu. Hier kaufen wir für Julia und David 2 süße Stofftiere. Ria kauft
Stickers für "ihre" Kinder. Wir "reiten" weiter den Parkway entlang Richtung
Natchez. Die Weite dieser Naturschönheit: Old Trace Parkway ist beeindruckend. Wir machen
jetzt öfters Pausen und laufen auf den unguided walk – Empfehlungen. Hier gibt es Neues
zu sehen. Ein Baum so groß wie eine Kiefer, aber Blätter wie ein Rhododendron.
Wildwachsende, baumhohe, blühende Azaleen und wieder 2 m hohe Dogwood - Büsche. Je mehr
wir uns dem Süden nähern, je mehr Sonne, je freundlicher die Menschen. Sie grüßen sogar
aus dem Auto heraus. Unterwegs eine riesige Tornadoschneise von 1995.
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