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Meine Liebe zu Kenia, den Menschen und den Tieren lässt mich
jedes Jahr, teilweise mehrfach nach Kenia reisen. Nicht nur um meine
Abenteuerlust zu stillen sondern auch um Menschen und Tieren zu helfen.
Die große Dürre,
viel Leid für Mensch und Tier in Kenia.
Januar - Februar 2006
Samburu, Nakuru und Sweetwaters
Mt. Kenya und die Äquatorlinie 2006
Von Nairobi aus blieb ich eine Nacht in der Ark, wo ich bis
morgens um 1 Uhr die Tiere rund um den beleuchteten See beobachtete.
Am nächsten morgen ging es weiter über staubige Strassen den
Hauptweg entlang Richtung Uganda. Endlich kamen wir in Samburu an, wo die Menschen
und Tiere unter der langen Dürreperiode litten. In Samburu, genauso
wie in der Masai-Mara, war die Regenzeit im November/Dezember
ausgefallen und fiele Tiere starben an Hunger und Durst. Es war kein
einziger grüner Grashalm zu sehen.
Der Fluss war total ausgetrocknet, die Krokodile hatten sich tief
unter der Erde im noch halbwegs nassen Schlamm eingegraben und die
Löwen benutzten das trockene Flussbett als Spazierweg.
In Samburu gibt es die wunderschönen Netzgiraffen, die
Giraffenhalsantilopen, Oryx-Antilopen und die vom Aussterben
bedrohten Grevyzebras. Am letzten Morgen kam noch ein Leopard in
Richtung unseres Autos und schlich um uns herum. Wenn er nicht so
einen kugelrunden Bauch vom fressen gehabt hätte, dann wären unsere
Fenster schnellstens geschlossen worden.
Nach drei Nächten ging es weiter Richtung Lake Nakuru, der
von rosa Flamingos übersät war. Dort gibt es noch viele weisse
Breitmaulnashörner.
In Sweetwater besuchte ich das Projekt "Schimpansen". Kenia
hatte zig Schimpansen in Ruanda von den Märkten aufgekauft, wo die
Menschen Schimpansenbabys im Busch einfangen, in engen Käfigen
halten und dann auf dem Markt zum Verzehr anbieten.
In Sweetwaters haben sie ein riesiges Areal mit vielen Bäumen und
können ein herrliches Leben geniessen. Ein sehr alter Schimpanse kam
an den hohen Zaun und liess sich bewundern. Alle anderen (momentan
um die 70 Tiere) tobten auf den hohen Bäumen in sicherer Entfernung
herum.Dort gab es auch ein riesiges Gebiet, wo sich schwarze
Spitzmaulnashörner aufhielten.
In Begleitung zweier Ranger durfte ich ein relativ friedliches,
altes Nashorn namens Morani streicheln. Es liebte es, zwischen den
Ohren und an den Innenseiten der Oberschenkel gekrault zu werden.
Die Regenzeit fiel im letzten Jahr komplett in Samburu und in der
Maasai-Mara aus. Weite Landstriche hatten keinen einzigen Grashalm
für die äsenden Tiere, die Maasai-Kühe verhungerten und
verdursteten. Die Kenianische Regierung hatte jetzt vor einigen
Wochen den Maasais erlaubt, ihre Rinder-herden in die Nationalparks
hineinzubringen. Das hatte nur den Nachteil für die wilden Tiere,
dass sie aufgrund der hohen Rinderkonzentration und den Maasais
immer weiter ins Landesinnere mussten. Auch die Raubkatzen mussten
ihr ange-stammtes Revier verlassen.
Als noch vor wenigen Jahren (auch Anfang letztes Jahr) es häufig
regnete, schafften sich die Maasais immer mehr Rinder an als
Statussymbol. Jetzt hatten sie nicht einmal mehr genug zu essen
die Kühe gaben kaum Milch, sie waren nur noch Haut und Knochen.
Mitten in der Savanne, wo sonst hohes grünes Gras vorhanden ist,
lagen sogar tote Hippos und verhungerte äsende Tiere im staubigen
Sand. Sie hatten vergeblich ein Wasserloch und grünes Gras gesucht.
der Talek-River, der Fluss in Samburu und sogar der ansonsten sehr
breite Mara-River waren teilweise total ausgetrocknet. In einem
kleinen Tümpel (von einem kurzen Regenschauer) lag ein Hippo in der
glühenden Mittagshitze (35 Grad im Schatten) und sein Rücken war
schon total von der Sonne verbrannt.
Alle äsenden Tiere waren rappeldürre, liefen kilometerweit, um eine
kleine Fläche mit Gras zu finden.
Die armen Menschen in der Savanne mussten zig Kilometer laufen, um
irgendwo Wasser von einem Regenschauer zu finden. Es war ein
fürchterlicher Anblick.
Talek-Gebiet
Auch hier waren weite Landstriche staubtrocken. Der Löwe, der sein
Revier in der Nähe des Ilkeliani-Camps hatte, war in ein anderes
Gebiet umgezogen. Bei den letzten Reisen in diesem Gebiet sah ich
von meinem Vorzelt Scharen von äsenden Tieren vorbeilaufen, hörte in
der Nacht die Hippos, den Löwen, die Hyänen. Jetzt war lautlose
Stille nur das Gezwitscher der Vögel war zu hören und nachts das
Geschnaufe eines Flusspferdes.
Einige Rinder von dem im anliegenden Dorf lebenden Maasais durften
zeitweise im Camp die wenigen, noch vorhandenen Grashalme fressen.
Das Ilkeliani-Camp begrüßte mich wie ein Familien-mitglied. Sogar
mein Maasai-Askari brachte mir von seiner Frau selbstgefertigten
Schmuck (Halskette und Armband) und freute sich, dass er sich nachts
wieder die Wolldecke von meinem Bett umhängen konnte und freute sich
jeden Abend auf meine Bilder, die er sich, sowie das übrige
Personal, sehr gerne anschaute.
An meinem letzten Vormittag im Camp versuchten doch tatsächlich 11
Maasais aus dem Dorf, für mich das Versteck der Ginsterkatzen mit
ihrem Welpen ausfindig zu machen. Sie schauten in jeden Busch aber
erfolglos. Mein Askari sagte mir, dass die Ginsterkatzen, wenn sie
Junge haben, jeden Tag ihren Standort wechseln. Aber ich fand es
unheimlich lieb und nett.
Die Löwen, die bei meinem letzten Urlaub im September Paarungszeit
hatten, diese Welpen waren jetzt zwischen 4-6 Wochen alt und tobten
auf ihren Eltern herum. Auch die Zebras, Gnus, Thomson-Gazellen
hatten Babys. Die überlebenden Geparden-Jungen waren zu stattlichen halbwüchsigen
herangewachsen und versuchten schon, selbst ein Tier zu erlegen.
Die Gepardin Kiki, die mit Vorliebe auf den Autodächern rumsitzt
oder liegt, war zum Glück noch in ihrem gewohnten Revier in der Nähe
des Talek-Rivers. Sie sprang von Auto zu Auto und genoss es
augenscheinlich, wenn Kenia-Neulinge vor Angst zitternd, sich halb
unter ihrem Sitz verkrochen.
Die Kenianische Regierung hat jetzt auch das jahrhunderte alte
Ritual der Maasais verboten, einen Löwen zu erlegen, ehe sie zum
"Mann" ernannt werden.
Es sind viele Ranger auf Beobachtungsposten und sobald ein Maasai
dabei gesichtet wird, bekommt er 10-15 Jahre Haft. Die Kenianischen
Gefängnisse sind nicht mit den europäischen zu vergleichen (was für
die Kenianer hier der reinste Traumurlaub wäre). Es leben bis zu 15
Menschen in einem engen Raum ohne Bett, es gibt kaum etwas zu essen
oder zu trinken.
Menschenleben nichts wert
(ein sogenanntes Hospital im Talek-Gebiet)
Auf dem Weg zu einer Pirsch vom Camp aus sahen mein Guide und ich
die gesamten Schulkinder der Talek-Schule mitten in der Savanne
stehen und ein Lehrer stand am Wegesrand. Wir hielten an, gingen zu
den Schulkindern und sahen in der Mitte, mit dem Gesicht im Staub
liegend, eine Halb-Maasai liegen, die weder stehen, laufen oder
sitzen konnte und vor Schmerzen laut schrie.
Wie wir erfuhren, ist sie vom LKW gefallen, wo sie mit anderen auf
dem Gepäckträger sitzend zu ihrer Arbeitsstelle fuhr.
Die Insassen des LKW sowie der Fahrer ließen sie einfach liegen und
fuhren weiter.
Wir schleppten sie zu unserem Auto, wo ich sie vom Hintersitz
krampfhaft festhalten musste, damit sie nicht mit dem Gesicht aufs
Armaturenbrett aufschlug. Ich sah dann das "Hospital" des kleinen
Talek-Dorfes. Es war schlimmer wie der schlimmste Horrorfilm: Ein
einziger Arzt, ein enger Raum mit einer schmalen Liege ein
Medikamentenschrank, wo nur gewaschene zerfetzte Tücher zum
verbinden und Mittel gegen Malaria vorhanden waren. Das war alles
ach nein, ein vorsintflutliches Holzstethoskop hatte der Arzt.
Auf unsere Frage, was jetzt mit der Frau geschieht, antwortete der
Arzt lakonisch: wenn sie die Nacht überlebt, kommt sie morgen früh
in ein etwas grösseres Hospital nach Narok, der Hauptstadt der
Maasai-Mara. Sie muss innerliche Verletzungen und etliche Brüche
erlitten haben. Später erfuhren wir, dass sie überlebte und nach
Narok gefahren wurde. Was für die arme junge Frau bedeutete 5
Stunden lang diese endlosen Holperwege mit diesen schweren
Verletzungen.
Bei meinem nächsten Besuch Mitte Oktober im Talek-Gebiet werde ich
jede Menge Arzneimittel und Verbandsmaterial für dieses kleine
Hospital mitnehmen. Ich werde auf Betteltour bei meinen Apotheken
und Ärzten gehen und wenn ich dann übergepäck am Flughafen habe, was
mit Sicherheit der Fall ist, wird das kein Problem für mich
darstellen, da ich am 13.10.2006 mit der Kenya Airways fliege und
wenn ich ihnen das Gepäck zeige, wo nur Sachen für das Hospital und
die kleine Talek-Schule drin sind, werden sie mir nichts an
Übergepäck berechnen.
Durch meine Page habe ich vor Monaten eine sehr nette hilfsbereite
Familie kennen lernen dürfen, von deren Hausarzt ich schon für diese
Reise jede Menge an Medikamenten mitbekam. Leider wusste ich da noch
nicht, dass das Hospital im Talek-Gebiet rein gar nichts hat und gab
diese Medikamente in Narok im Hospital ab. Dort wird es natürlich
auch gebraucht und die Ärzte waren überglücklich, aber die Menschen
im Talek-Gebiet jedenfalls werde ich zusehen, dass sie im Oktober
so mit Medikamenten eingedeckt sind, dass diese bis zu meinen dann
folgenden Urlaub reichen werden.
Auch musste ich mit eigenen Augen mit ansehen, wie die Menschen
zumindest in der Maasai-Mara - von ihren "Vorgesetzten" behandelt
werden: Ein Ranger, den ich seit Jahren kenne, hatte einen akuten
Malariaanfall und wir wollten ihn im Auto in die
Mara-Serena-Safari-Lodge bringen, wo immer ein Arzt anwesend ist.
Er fragte seinen Chef um Erlaubnis und dieser lehnte ab mit der
lapidaren Begründung: Beine zum laufen hätte er ja wohl noch und er
verbietet es ihm, in einem Auto mitzufahren
Ich möchte ihm keinen ärger machen und die Gegend beschreiben auf
jeden fall musste er 15-20 km quer durch den Busch laufen, bis er in
der Serena-Lodge war. Und in dieser Gegend wimmelt es von Raubtieren
und auch Hippos der Mara-River war schließlich nicht weit
entfernt.
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