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Reisebericht: Mit Beduinen von Kairo zur Oase Fayum reiten |
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Mit Beduinen von Kairo zur Oase Fayum
Kairo, Gizeh, Cheops, Chefren, Mykerinos, Oase Fayum, Meidum, Daschur, Memphis, Sakkara
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Reisetyp: Individualreise
Reisebericht aus dem Jahr: 1995
Altersgruppe des Autors: 45-60 Jahre
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Mit Beduinen auf Araber-Pferden von den Pyramiden Kairos durch die Wüste zur Oase Fayum
und am Nil entlang zurück.
Wie kamen wir zu dieser Reise:
Mein Mann Gerd und ich sind Reiter und haben selbst Pferde. Was lag da näher als die
"Bayern-Pferd" Ausstellung in München zu besuchen. An einer der Pferdeboxen entdeckte Gerd
einen winzigen handgeschriebenen Zettel "Suche Mitreiter durch die Wüste von Ägyptens"
- "bitte melden unter Telefonnummer ..."
Sofort hat's bei uns geklickt - wir haben die Telefonnummer kontaktiert - wir trafen uns mit Brenda der
Zettelschreiberin und 10 weiteren Reiseinteressenten. Sie erzählte uns, dass sie die Reise selbst noch nie
gemacht bzw. organisiert hat, "aber dies müsste doch toll sein, sie kennt doch das Land, die Beduinen
und spricht ihre Sprache". Gerd und ich waren begeistert - warum sollte das nicht machbar sein bei diesen
für uns "optimalen" Voraussetzungen, wir waren schon in ganz anderen Ländern per Rucksack und
zu Fuß alleine unterwegs. Wir haben sofort zugesagt - alle anderen auch - aber bis es zur Abreise kam, waren
wir nur noch 3 zahlende Teilnehmer, Gerd, Erika eine Journalistin aus Kassel und ich. Haben die Schilderungen der
spartanischen Reise die anderen abgeschreckt? Brenda wollte die "Abenteuer"-Reise trotzdem durchführen
und wir auch.
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Pyramiden von Kairo
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Wir fliegen von München nach Kairo - von dort Transfer zu den Beduinen, die unterhalb der Pyramiden,
im Stadtteil Gizeh wohnen. Im Erdgeschoß sind die Pferde untergebracht, im Geschoß darüber
wohnt die Großfamilie. Wir werden herzlich von Omar dem Familienoberhaupt und seiner Familie mit Tee
begrüßt - er sollte während der Reise als Organisator / Navigator / Küchenchef also
"Mädchen für Alles", fungieren. Mit auf den Trip gehen sein Sohn Mohamed, dessen Freund Sabri,
ein Koch und ein Polizist.
Am nächsten Morgen, früh um ½5 Uhr, treffen wir uns mit ihnen in dem handbreitem Gässchen vor seinem
Haus. Stolz zeigt er uns seine edlen Araberpferde, die nun 10 Tage unsere Begleiter sind. Unter den prüfenden
Augen von Omar reiten wir im Schrittempo aus seinem Dorf, vorbei an der Sphinx, den Cheops- / Chefren-
/ Mykerinos- Pyramiden. Noch ist es angenehm kühl und atemlos ruhig - so menschenleer wirken diese
Kolossalbauwerke noch größer, noch erhabener und lassen uns noch winziger erscheinen. Touristen werden
sich erst in ein paar Stunden zu Tausenden dort tummeln, von Souvenirverkäufern und bakschischrufenden Kindern
verfolgt.
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Verschlafen trotten unsere Pferde Richtung Wüste - doch je näher wir kommen, geht etwas Seltsames
mit ihnen vor. Einer beginnt zu wiehern, die anderen stimmen ein, ihre Schritte werden kürzer, schneller
und immer schneller.
Die Adern an den Hälsen dieser Vollblütern treten stark hervor - wir können Sie kaum noch halten
- sie wollen los in ihr Element "Wüste".
Omar deutet Richtung Horizont, was soviel heißt "lasst sie laufen" - Fast aus dem Stand
galoppieren wir los, Sand fliegt auf unter ihren Hufen - hinaus geht's in die Weite der ockerfarbenene Wüste.
Ein Traum!
Auf Handzeichen von Omar versammeln wir uns wieder - im Schritt geht's weiter - die Sonne sticht mittlerweile
erbarmungslos auf unsere kleine Karawane.
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Omar lernt uns aus Baumwoll-Tüchern einen Turban zu binden - dies kein modisches Attribut, sondern ein Segen
für unsere Köpfe gegen die gleisende Sonne. Überhaupt - alle miteinander sind während der ganzen
Reise liebevoll um uns bemüht, es soll uns gut gehen, an nichts fehlen, sie wollen, dass wir sie und ihr Land
in guter Erinnerung behalten.
Schritt, Trab Galopp und zu Fuß, das sind unsere Gangarten während der nächsten Tage.
Wir reiten durch die libysche Wüste, zwar militärisches Sperrgebiet - aber Omars Connection zu den
Militärs und Gerds heimlich importierte Whisky-Prophylaxe machen dies möglich. Eine einzigartige,
vielfältige und abwechslungsreiche Landschaft. Wunderschöne Steine liegen inmitten des goldgelben Sandes,
schwarze, braune, phosphoreszierende - wir steigen immer wieder ab, gönnen den Pferden eine Pause, laufen durch
Wadis, (ausgetrocknete Flußbette) finden darin 1000 Jahre alte versteinerte Hölzer - Zeitzeugen
längst vergangener Epochen - sammeln sie ein, nehmen sie mit nach Hause als Erinnerung. Sanddünen,
die sich in grenzenloser Weite verlaufen bilden den Übergang zum Grün der Oase Fayum die wir am 5. Tag
erreichen.
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Gizeh
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Dattelpalmen
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Während unserer Stops liegen wir unter den Pferden (bei unseren undenkbar) in deren Schatten -
ohne Gefahr für uns; diese wunderschönen und genügsamen Tiere stehen bewegungslos, obwohl
abgesattelt und unangebunden. Gefüttert und getränkt werden sie nur morgens und abends.
Wir verbringen herrliche sternklare Nächte in der Wüste; manchmal verschmähen wir unser
Gemeinschaftszelt, schlafen unter freiem Himmel quasi kostenlos in einem 1000Sterne-Hotel, schauen in den Nachthimmel
- warum funkeln die Sterne so viel intensiver als bei uns zu Hause??
- Wir suchen das "Kreuz des Südens" - finden logischerweise nur den "großen Bär"
und schlafen erschöpft, aber rundherum glücklich und zufrieden ein.
Zuvor kreist die Wasserpfeife, Sabri übt mit uns Bauchtanz, führt uns den traditionellen Stocktanz vor.
Als Äquivalent bieten wir unseren ägyptischen Freunde eine Wiener-Walzer-Einlage, zu unserem Brummel-Gesang
"An der schönen blauen Donau". Sie lachen Tränen und kugeln sich im wahrsten Sinne des Wortes vor
Lachen im Wüstensand. Mann und Frau in inniger Umarmung zu Walzerklängen, das ist für sie
"magnun" = verrückt.
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An vereinbarten Treffpunkten wartet minutiös unser Koch. Träumen wir oder ist's eine Fata Morgana?? Hat's
geschneit und das Mitten in der Wüste?? Was ist das? Überall fliegen weiße Flocken herum, hängen
am kargen Wüstengestrüpp??! Beim Näherkommen sehen wir, es sind Hühnerfedern. Unser Koch hat die
Hühner gerade erhandelt, gerupft und wie immer frisch für uns alle zubereitet. Es schmeckt köstlich.
Dazu essen wir Fladenbrot, aus dem wir zuvor Ameisen herausklopfen. Die haben es sich darin gemütlich gemacht -
wir teilen nicht mit ihnen! "malesch" = das macht nichts!
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Hatchepsud Tempel
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Luxor Tempel
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In der Oase Fayum, angekündigt durch tausende von Fliegen, begegnen wir den liebenswürdigen und
hilfsbereiten Fellachen, für uns gleichsam eine Reise in eine andere Welt. Seit Jahrtausenden wiederholen die
ägyptischen Bauern mit ihrer Arbeit auf den Feldern tagein, tagaus jene Szenen, die die Reliefbilder im
Gräberfeld von Sakkara oder die Malereien der Noblengräber in Theben so lebendig machen.
Am 5. Tag und 6.Tag, finden wir hier Quartier in einer verlassenen, halb verfallenen Fellachenhütte. Wir
packen unsere Schlafsäcke aus, Gott sei Dank haben wir Flohpuder dabei. Erika und ich bleiben hellwach bis
zum Morgen, nicht nur der ausgezeichnete starke schwarze Tee mit den Pfefferminzblätter ist Schuld, nein,
egal ob Beduine oder Germane, einer schnarcht schlimmer als der andere, Mäuse fiepsen und sausen über
uns hinweg, ihre Rache, dass wir sie in ihrem Domizil stören.
Die Morgenwäsche fällt wie immer sehr kurz aus - das mitgeführte Wasser ist knapp und zum Waschen
und Geschirrspülen zu kostbar. Alles wird aufs Minimalste beschränkt. Einmal nutzen wir die Nähe des
Luxushotels "Auberge du Lac" (ehemaliges Ferienhaus von König Faruk) - um dort in den exklusiven
Toiletten unseren Wüstenstaub von Haut und Haaren zu waschen. Der Mann an der Rezeption übersieht unser
geflissentlich im vornehmen englischen Stil! Uns war's Recht. Wir danken es ihm und kaufen beim Verlassen des Hotels
eine ausgezeichnete "Black Forest-Tarte". Ein unwirkliches witziges Szenario - wir sitzen im glutheißen
Wüstensand, essen mit unserer Beduinen, die Süßes unendlich lieben,
"Schwarzwälder-Kirschtorte"!!
Unser 4-tägiger Rückritt nach Kairo ist vorwiegend der Kultur gewidmet. Wir erleben die Wunder des Nils
mit seinen vielen eindrucksvollen Sehenswürdigkeiten, besichtigen die Hauwara-Pyramide, das "Labyrinth"
mit seinen je 1.500 Räumen in 2 Stockwerken (eines der 7 Weltwunder der Antike), die Pyramiden und Gräberfeldern
von Meidum, Daschur, Memphis und Sakkara, erschrecken amerikanische Touristen wegen unseres
ungewöhnlichen verstaubten, verschwitzten Reit-Outfits; sie wollen uns fotografieren, was Gerd nur gegen Bakschisch
erlaubt. Er hatte während der Reise gute Lehrmeister!!
Am 10. Tag erreichen wir Gizeh unseren Ausgangspunkt und das Ende unserer Traumreise.
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Uta Mayer
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Gerd Mayer
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"Hallo Schwester, ich brauche von Dir einen Reisebericht Thema Ägypten - du warst
doch schon so oft dort" - so begann ein email meines Bruders aus Bali.
Uta und Gerd leben nahe München und lieben das Reiten und den Pferdesport ebenso
wie das Reisen. Zahlreiche Reiseziele in Europa und Asien haben sie bereits auf eigene Faust erkundet. Einer
der unvergessensten Höhepunkte war der mehrtägige Ritt mit Beduinen durch die Wüste Ägyptens,
von Kairo bis zur Oase Fayum.
www.bali-top.de/
Kontakt via: mail@WorldTravelReports.com
© Copyright für Artikel und Bilder liegen bei den Autoren
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Die Frauen erwarten uns, ein schmackhaftes Essen ist in vielen Schüsseln für uns vorbereitet, welches wir,
getrennt nach Mann und Frau, einnehmen. Erika und ich sitzen bei den Frauen und essen, wie wir es gelernt haben, nur mit
der rechten Hand, verständigen uns mit Händen und Füßen und dem unterwegs gelernten Arabisch, haben
uns verstanden, lachen herzlich darüber, umarmen uns, klopfen uns auf die Schulter. Überwältigt von dieser
Herzlichkeit kommt Abschiedsschmerz auf.
Als Abschluß und um uns zu zeigen, dass wir seine Freunde sind, bietet uns Omar mit seinem tanzenden Pferd eine
Gala-Vorstellung. Diese Darbietung sieht man sonst nur zu großen Festlichkeiten oder Hochzeiten. In der engen Gasse
vor seinem Haus lässt er das festlich geschmückte Pferd zur arabischen Musik aus dem Radio, seiner Stimme und
zu seinen unsichtbaren Bewegungen im Sattel tanzen. Im Nu füllt sich die ganze Gasse mit Nachbarn die im Takt
mitsingen und klatschen. Wir tun dies auch. Danach erfährt Gerd eine besondere Ehre. Omar reicht ihm die Zügel
seines tanzenden Pferdes, fordert ihn auf aufzusitzen und es ihm gleichzutun. Mit Omars Hilfe und Stimme gelingt dies ein
wenig!
Wir verabschieden uns von diesen lieben und warmherzigen Beduinen und ihren edlen Pferden. Wir sind sicher, wie sehen
uns bald wieder. Inschallah!
Uta und Gerd
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